März 2009
8.3.2009
Vela Luka und sein Eigenleben
Dank dem Vela Luka nicht hauptsächlich auf Tourismus ausgerichtet ist, führt dieses Hafenstädtchen sein Eigenleben. Es gibt wenig Industrie, doch haben sich mehrere Firmen jährlich etwas entwickelt und zusätzliche Stellen geschaffen. Das Hauptgewerbe ist natürlich das Baugewerbe. Unser Städtchen hat mehrere Bauunternehmungen, zum Teil sind diese mit modernen Maschinen ausgerüstet. Daneben hat es viele Geschäfte und Dienstleistungsunternehmen, da Vela Luka für den westlichen Teil der Insel Zentrumsfunktion hat. Auch der Fischfang hat seine Bedeutung; etwa 200 Arbeitsplätze hängen davon ab.
Auf Grund des Verkehrs kann ich mich zeitlich gut orientieren: 05.30: Abfahrt des Katamarans, 06.30: Abfahrt der Fähre, dann der Berufsverkehr, welcher um 11.30 wieder am stärksten ist. 16.30 nimmt der Verkehr wieder zu, weil dann viele Geschäfte wieder öffnen. Dann sind auch die Plätze, Cafes und Gassen belebt. Erst nach 20 Uhr wird’s dann wieder ruhig.
Dieser Rhythmus ist mir wichtig, er ist für mich anregend und ich richte mich danach. So verursache auch ich möglichst zwischen 12 und 14 Uhr keinen Lärm.
Am Sonntagmorgen sind die Strandcafes meistens voll von Männern, zum Teil mit Kindern am Schatten; die Frauen sind in der Kirche und sorgen so für Schutz und Segen der ganzen Familie. Die beginnenden Arbeiten in den Gärten und auf kleinen Baustellen stören mich kaum, ausser wenn der Nachbar seinen Garten mit der Maschine bearbeitet; dann hüllt er die ganze Umgebung in blauen Rauch.
Mir wird vor allem dann bewusst, wie anregend das Städtchen auf mich ist, wenn ich Touristenorte besuche. Diese Ortschaften sind währen der Zeit ohne fremde Gäste Geisterorte. Mich berührt immer wieder, wie ganze Ortschaften nur während zweieinhalb Monaten im Jahr belebt sind. Die übrige Zeit sind die Hotels verbarrikadiert, die meisten Häuser stehen leer, Geschäfte und Restaurants sind geschlossen und in den Gassen trifft man selten jemanden an. In solchen Orten fühle ich mich nicht wohl.
So wie die Natur sich im Moment präsentiert, erinnert sie mich an Ostern. Noch immer staune ich, wie früh die Natur erwacht; die vielen Blumen (hier keine Namen, ich lasse unten die Bilder sprechen), die Schmetterlinge, Eidechsen und Heuschrecken. Ich beobachte diese Blumenpracht, die fliegenden, springenden und hüpfenden Tiere immer wieder aufs Neue und habe meistens den Eindruck, wieder etwas Neues entdeckt zu haben. Die Sonne wärmt nun schon stark, so dass ich den Eindruck habe, die Wärme am ganzen Körper aufzunehmen.
Ich habe den Eindruck, dass ich der einzige bin, der in wilder Natur sitzt, beobachtet, spazieren geht oder im Freien ein Buch liest. Die Einheimischen besingen zwar in vielen ihrer sentimentalen Chorliedern die schöne und wilde Natur. Doch ist kaum jemand in freier Natur anzutreffen ausser denjenigen, welche auf ihren Feldern arbeiten. Diese Tatsache ist für mich besonders angenehm, weil ich dann meine Ruhe habe und mich der belebten Welt ganz widmen kann.
Vor zwei Wochen hörte man manchmal an mehreren Orten die Bodenfräsen – jetzt wird die Erde unter den Olivenbäumen, in den Rebgärten und den Kartoffeläckern gelockert. Zum pflanzen von Bohnen, Kartoffeln und Salat ist jetzt „höchste Zeit“ oder vielleicht schon zu spät?
Von der Insel liebe Grüsse
Jacques Baumgartner
      so blüht der Weg zu meinem Garten 
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