Juni 2010
4.6.2010
Ich bin wieder fest auf der Insel“
Nachdem ich ein Jahr lang in der Schweiz lebte und arbeitete, bin ich wieder auf die Insel zurück gekehrt. Meine Wiederkehr war herzlich und ich fühle mich willkommen. Während dieses Jahres war ich „nur“ vier Mal in den Ferien in Vela Luka.
Es gibt einige Leute, welche annahmen, dass ich nicht mehr auf der Insel wohnen werde. Ich wäre nicht der erste Ausländer, der es versucht und resigniert hat. Selbst gebürtige Einheimische, welche während vielen Jahren im Ausland waren, schafften den Anschluss an das Leben auf der Insel nicht mehr, verkauften das Haus und zogen wieder ins Ausland.
Dass dem so ist, erfahre ich durch die vielen kritischen Fragen. Meine Nachbarin hat beispielsweise angenommen, nachdem sie mich einen Tag nicht gesehen hat, ich sei wieder in der Schweiz. Was dahinter stecken mag?
Ein guter Freund von mir konnte von Anfang an (2004) nicht begreifen, dass ich mich freiwillig auf der Insel niederlasse. Er möchte an vielen Orten wohnen, nicht aber hier. Er sei hier geboren, habe Familie und Arbeit, was ihn am auswandern hindere. Er erklärte, dass es auf der Insel kein Gefängnis gebe, weil das Leben auf der Insel einem Gefängnis gleich komme.
Weshalb es mir auf dieser Insel sehr wohl ist, hat viele Gründe. Ich spreche gerne darüber, bin aber nicht davon überzeugt, dass dies von allgemeinem Interesse ist. Auf einen wichtigen Grund gehe ich trotzdem ein:
Ich bin ganz hinten im Kanton Glarus in einem 700-Seelendorf aufgewachsen. Die enge Sozialkontrolle, das in sich geschlossene mit vielen Ressentiments gegenüber dem Fremden, sind mir nicht fremd. Ich erlebe sehr viele Analogien zwischen dem Leben in einer kleinen Berggemeinde und demjenigen auf der Insel. Was mich seit meinem ersten Besuch vor mehr als zwanzig Jahren gleich faszinierte, sind die vielen Gemeinsamkeiten – dem Erleben aus meiner Kindheit und der jetzigen Situation. So ist hier die Natur vergleichbar gut erhalten, wie damals im Glarnerland. Auch ist die Ernährung der Einheimischen sehr ähnlich wie damals vor fünfzig Jahren. Ebenso hat die Kirche eine vergleichbare Funktion in der Gesellschaft – gestern, an Fronleichnam war übrigens eine grosse Prozession. An den Prozessionen nehmen jedes Mal sehr viele Leute teil.
Dies zur Einleitung. Nun werde ich wieder regelmässig am Anfang eines Monates einen Bericht verfassen. Mich freute es, zu erfahren, dass meine Berichte immerhin von ein paar Leuten gelesen, und seither vermisst wurden.
Wie zeigt sich Vela Luka heute?
Wegen des vielen Regens im Winter sind die Wiesen noch immer grün und sehr vieles blüht, was zu dieser Jahreszeit aussergewöhnlich ist. Zur Flora des Junis gehören die Bilder im Anhang. Ein spezieller Genuss erfährt man zurzeit im Nachbardorf Blato. Die grosse Lindenallee durch den ganzen Ort blüht. Dies erzeugt bei den herrschenden warmen Temperaturen einen schweren, süssen Duft. Ich kann kaum genug davon kriegen.
Im April 2010 ist das Hotel Korkyra eröffnet worden. Nun haben wir endlich ein Hotel im Ort, welchen den Ansprüchen der Feriengäste aus Deutschland und der Schweiz sicher entspricht. Das Hotel wurde vor mehr als zehn Jahren aussen saniert, dann ging der Besitzer pleite. Mein Eindruck: „Der Ausbau ist sehr gut gelungen, die Dienstleistungsangebote sind sehr gut, die Preise sind ähnlich wie die sehr einfachen Hotels im Ort“. Ich kann das Hotel sehr empfehlen. Falls Bedarf besteht, können Sie bei mir buchen.
Dank des „neuen Hotels“ sind dieses Jahr deutlich mehr Gäste in Vela Luka als 2009, dem Jahr der Krise auch auf der Insel.
Buchungen sind noch nicht viele eingegangen – man kann noch wählen!
Mehr über den Stand des Tourismus erfahren Sie im nächsten Bericht.
Bis dann verbleibe ich mit lieben Grüssen
Jacques Baumgartner von der Insel
 Blüte des Granatapfelstrauches  Blüte des wilden Knoblauchs  blühendes Currykraut  am Wegrand  einer der Strassenaltare an Fronleichnam
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